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Therapie

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Therapie von Erkrankungen

Unser universitäres interdisziplinäres Therapiekonzept zur Behandlung von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse umfasst alle international etablierten Behandlungsverfahren auf Basis der aktuell geltenden Therapiestandards und Behandlungsleitlinien.

Grundsätzlich unterscheiden wir in der chirurgischen Therapie die resezierenden (chirurgische Entfernung) von den drainierenden (ableitenden) Verfahren.
Eine Resektion, also die Entfernung von Teilen der Bauchspeicheldrüse oder auch der kompletten Bauchspeicheldrüse ist bei der Behandlung von Karzinomen der Bauchspeicheldrüse und periampullären Region, aber auch bei entartungsgefährdeten zystoiden Pankreatumoren oder im Einzelfall auch bei Patienten mit einer chronischen Pankreatitis indiziert.
Als drainierende Therapieoptionen bieten wir u.a. die endoskopische transgastratrale Entlastung von Nekrosehöhlen bei der akuten Pankreatitis oder auch die Zystojejunostomie bzw. Partington-Rochelle-Operation zur Behandlung von Pankreaspseudozysten an.

Ein chirurgischer Ansatz der palliativen Therapie beim fortgeschrittenen Pankreaskarzinom beinhaltet zudem die chirurgische Anlage einer Gastroenterostomie bzw. einer biliodigestiven Anastomose.

Neben der primär chirurgischen Therapie beinhaltet unser interdisziplinäres Therapiekonzept aber auch die ambulante Langzeitkontrolle von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. Dazu zählt zum Beispiel die regelmäßige klinische und bildmorphologische Verlaufskontrolle von gutartigen zystoiden Pankreastumoren.
Bei allen Behandlungsverfahren erfolgt an unserer Klinik eine bereits prätherapeutisch koordinierte Mitbetreuung der Patienten durch den Schmerzdienst unserer Klinik für Anästhesiologie, sowie eine unmittelbare postoperative Mitbetreuung unserer Patienten durch Diätassistenten, Physiotherapeuten und unseren Sozialdienst. Bei Patienten mit maligner Grunderkrankung erfolgt zudem auf Wunsch eine psychoonkologische Mitbetreuung.

Therapieverfahren im Detail

Resezierende Operationsverfahren:

  • Pankreaskopfresektion nach Kausch-Whipple:

Bei der klassischen Operation nach Kausch-Whipple wird der Pankreaskopf, das Duodenum, der distale Gallengang inklusive der Gallenblase sowie ein Drittel des Magens entfernt. Die Rekonstruktion des Gallenganges erfolgt über eine sog. Hepatikojejunostomie (Verbindung der Leber mit dem Dünndarm), das Restpankreas wird über eine Pankreatikojejunostomie (Verbindung der Bauchspeicheldrüse mit dem Dünndarm), der Magen über eine Gastrojejunostomie (Verbindung des Magens mit dem Dünndarm) rekonstruiert.
Diese Operation wird bei Tumorerkrankungen des Pankreaskopfes sowie bei der chronischen Pankreatitis angewendet.

  • Pyloruserhaltende Pankreaskopfresektion:

Erstmals wurde 1942 durch den englischen Chirurgen Kenneth Watson eine pyloruserhaltende Pankreaskopfresektion (PPPD) durchgeführt. Der Unterschied zur klassischen Pankreaskopfresektion nach Kausch-Whipple besteht darin, daß auf die teilweise Entfernung des Magens verzichtet werden kann. Der Vorteil liegt hierbei im Erhalt der physiologischen Magenentleerung durch den Erhalt der Magenpförtnerfunktion. Dieses Verfahren hat sich in den letzten Jahren als gleichwertiges Resektionsverfahren neben der klassischen Kausch-Whipple-Operation etabliert. Die pyloruserhaltende Pankreaskopfresektion wird bei Tumorerkrankungen des Bauchspeicheldrüsenkopfes sowie bei der chronischen Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) durchgeführt. Verschiedene Studien konnten zeigen, daß die pyloruserhaltende Pankreaskopfresektion (PPPD) im Sinne der Radikalität eine vergleichbare Mortalität und Morbidität wie die klassische Whipple-Operation hat.

  • Duodenumerhaltende Pankreaskopfresektion:

Bei der duodenumerhaltenden Pankreaskopfresektion wird der Kopf der Bauchspeicheldrüse unter Erhalt des Zwölffinderdarms (Duodenum) entfernt. Diese Operation wird nur im Rahmen der Behandlung der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung durchgeführt. Durch den Verzicht auf die Entfernung des Duodenums kann von der Neuanlage einer Verbindung der Bauchspeicheldrüse mit dem Dünndarm abgesehen werden. Diese Operation wird nicht bei Tumorerkrankungen des Pankreaskopfes durchgeführt.

  • Bauchspeicheldrüsenschwanzresektion

Bei Tumorerkrankungen der Bauchspeicheldrüse, welche im Bereich des Bauchspeicheldrüsenkörpers bzw. Bauchspeicheldrüsenschwanzes lokalisiert sind, kann eine Bauchspeicheldrüsenschwanzresektion (sog. Pankreaslinksresektion) angezeigt sein. Bei der Pankreaslinksresektion wird der Pankreasschwanz mit den peripankreatischen Lymphknoten und abhängig von der Grunderkrankung ggfs. auch die Milz entfernt. Je nach Ausmaß des Tumors und den daraus resultierenden Resektionsgrenzen muß die Resektion bis an den Pankreaskopf heran ausgeweitet, d.h. eine sog. subtotale, linksseitige Pankreatektomie durchgeführt werden. Der Pankreasstumpf wird in der Regel blind verschlossen. Bei Patienten mit einem lokal fortgeschrittenem Pankreaskarzinom mit isolierter Infiltration des Truncus coeliacus führen wir zudem als kurative Therapieoption eine Pankreaschwanzresektion mit Resektion des Truncus coeliacus (Operation nach Appleby) durch.
Unter Umständen kann in Abhängigkeit von der Tumorlokalisation auch eine totale Entfernung der Bauchspeicheldrüse erforderlich sein (totale Pankreatektomie). Selbstverständlich wird insbesondere die Pankreasschwanzresektion an unserer Klinik wenn möglich in minimalinvasiver laparoskopischer Technik durchgeführt.

Drainierende Operationsverfahren:

  • Zystojejunostomie:

Kommt es im Rahmen einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung zur Ausbildung von Zysten (sog. Pankreaspseudozyste), kann eine Drainage dieser Pseudozyste nötig werden, wenn die Zyste durch ihre Größe andere Organe verdrängt, bzw. die Nahrungspassage behindert. Diese  Operation wird als Zystojejunostomie bezeichnet. Dabei wird eine Dünndarmschlinge auf die eröffnete Zystenwand genäht. Nach der Durchführung dieser Operation wird die Zystenflüssigkeit kontinuierlich in den Dünndarm abgeleitet und die Zyste somit deutlich verkleinert.

  • Operation nach Partington-Rochelle / Operation nach Frey

Bei Patienten mit einer symptomatischen chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung kann bei Vorliegen eines erweiterten Pankreasganges als gangdrainierendes Verfahren eine Operation nach Partington-Rochelle durchgeführt werden. Dabei wird der Pankreasgang vom präpapillären Segment im Pankreaskopf bis in den Pankreasschwanz längseröffnet und über eine ansgeschlossene Dünndarmschlinge drainiert. Diese longitudinale Verbindung zwischen Bauchspeicheldrüse und Dünndarm kann je nach Krankheitsbild auch mit einer lokalen Exzision des Pankreaskopfes kombiniert werden (Operation nach Frey). Das Ziel beider Operation ist das Erreichen einer dauerhaften Schmerzfreiheit und die Beherrschung Pankreatitis-assoziierter Komplikationen.