Bild: OP-Szene

Therapie

Sie befinden sich hier:

Therapie des Analkarzinoms

Die Diagnostik und die Therapie des Analkarzinoms erfordern einen interdiszplinären Ansatz in enger Kooperation zwischen Radioonkologen, Hämato-Onkologen, Gastroenterologen, Radiologen, Pathologen und Chirurgen. Im Vordergrund der Diagnostik steht die Anamnese und sorgfältige Befunderhebung (Inspektion, digitale Untersuchung, Prokto- und Rektoskopie mit Entnahme einer Gewebeprobe). Des Weiteren müssen die umgebenden Gewebe, die Lymphknoten und andere Organe bezüglich einer Ausbreitungsdiagnostik abgeklärt werden. Hierfür stehen der Charité sämtliche Möglichkeiten zur Verfügung.

Die Therapie der Wahl ist die primäre simultane Bestrahlungs- und Chemotherapie (50,4 Gy und 5FU mit Mytomycin C), wenn sich der Tumor im Analkanal befindet. Die chirurgische Therapie in der Primärphase umfasst vor allem die Probenentnahmen und die lokale Tumorentfernung, falls dieser außen am Analrand lokalisiert ist. Radikale Operationsverfahren, wie die Anlage eines künstlichen Darmausganges oder einer radikalen chirurgischen Entfernung des Tumors und des Enddarmes (siehe abdominoperineale Rektumexstirpation) bleibt sehr ausgedehnten Tumoren oder Operationen bei Resttumoren oder Rezidiven (Wiederauftreten des Tumors) vorbehalten und ist nicht mehr die Regel in der Therapie des Analkarzimoms (Kap. 5.8,Schlag et al. Interdisziplinäre Entscheidungswege in der Onkologie Deutscher Ärzte-Verlag).

Sämtliche Patienten werden im Rahmen der interdisziplinären Tumorkonferenz unseres zertifizierten Darmkrebszentrums diskutiert und die Diagnostik, die Therapie sowie die Nachbehandlung gemäß internationaler Standards interdisziplinär festgelegt.

Therapie des Hämorrhoidalleidens

Die häufigste Erkrankung im Enddarmbereich ist das Hämorrhoidalleiden. Es entsteht, wenn die Hämorrhoiden durch eine Stauung des enthaltenen Blutes anschwellen und sich vergrößern. Der Schweregrad eines Hämorrhoidalleidens reicht von keiner spürbaren Vorwölbung (Stadium I), über die beim Pressen vorhandene, aber danach spontan verschwindende Vorwölbung (Stadium II), eine vom Patienten selbst zurückzudrückenden Vorwölbung (Stadium III) bis zu einer anhaltenden und nicht zurückschiebbaren Vorwölbung (Stadium IV) der Hämorrhoiden in den Analkanal. Verstärkt wird die Ausbildung eines Hämorrhoidalleidens durch chronische Stuhlverstopfung, langes Pressen beim Stuhlgang, Übergewicht und sitzende Tätigkeit. In der Schwangerschaft treten Hämorrhoiden vermehrt auf.

Ein Hämorrhoidalleiden im Stadium I wird erfolgreich mit Salben, Zäpfchen und Stuhlregulation behandelt. Im Stadium II kann diese Therapie beispielsweise durch sog. Gummibandligatur oder Verödung ergänzt werden. Im Stadium III und IV kann in den meisten Fällen bei Versagen der konservativen Therapie eine Operation erfolgen. Dabei werden die vergrößerten Hämorrhoiden entweder gerafft, sodaß der Blutabfluß wieder gewährleistet und ein Vorfallen der Knoten verhindert werden kann (rectoanal repair, THD, PPH, sog. Longo Operation), oder entfernt und die blutzuführenden Schlagadern in Vollnarkose unterbunden (konventionelle Hämorrhoidektomie). Die optimale Therapie oder Technik richtet sich rein nach den Beschwerden des Patienten und wird mit jedem Patienten individuell in der koloproktologischen Sprechstunde besprochen.

Therapie von perianalen Abszessen

Anale Abszesse werden vom Patienten typischerweise als zunehmend schmerzhafte Schwellung und Rötung neben dem After bemerkt. Manchmal entleert sich aus einem Abszess spontan Eiter durch die Haut nach außen. Tiefliegende Abszesse sind schwer zu erkennen und fallen nur durch allgemeines Krankheitsgefühl, Blasenentleerungsstörungen oder Fieber auf.

Anale Abszesse werden in der Regel zunächst in Vollnarkose eröffnet und der enthaltene Eiter entleert. Die zugrunde liegende Fistel kann nicht immer sofort, sondern häufig erst nach Abklingen der akuten Entzündung, in einem weiteren Eingriff, behandelt werden.

Therapie von Analfisteln

Die Entzündung der Gänge der Proktodealdrüsen stellt die häufigste Ursache von Analfisteln dar. Dabei handelt es sich um röhrenförmige Gänge, die die innere Drüsenöffnung am Darm mit der Haut um den Analkanal verbinden. Oft führt eine derartige Entzündung der Drüsengänge nicht zu einer Fistelbildung, sondern fällt zunächst als Abszess der Analregion auf. In anderen Fällen können derartige Fisteln und Abszesse auch durch entzündliche Darmerkrankungen (siehe Morbus Crohn) hervorgerufen werden. Hygenische Mängel sind fast nie die Ursache für eine Erkrankung des Analkanals.

Anale Fisteln werden in Vollnarkose sondiert und möglichst komplett freigelegt. Dabei darf der Schließmuskelapparat nicht geschädigt werden. Fisteln, die durch den Schließmuskel verlaufen oder ausgedehnte Fistelsysteme können daher mehrere Eingriffe erforderlich machen. Komplexere Operationen sind nur in Ausnahmefällen erforderlich.

Wir verfolgen in der chirurgischen Therapie eine Stufentherapie des analen Fistelleidens und bieten u.a. folgende Therapieverfahren an:

  • Gummibandzügelung/Fadendrainage von Fisteln v.a. in Verbindung mit einem Abszess.
  • Fistulotomie/Fistulektomie
  • Mukosaverschiebelappenplastik
  • Plug-repair
  • LIFT repair

Therapie von Steißbeinfisteln (Sinus pilonidalis)

Als Pilonidalsinus (pilus=Haar, nidus=Nest) wird ein chronischer Verhalt an der Gesäßfalte beschrieben, der zumeist Haare enthält. In der akuten Infektion (Abszess) erfolgt eine zeitnahe oder unmittelbare Operation mit Spaltung der Abszesse und offen belassen der Wunde, die anschließend von Patienten ausgeduscht werden muss.

Auch der chronische Sinus pilonidalis muss in den meisten Fällen chirurgisch entfernt werden. Das Resektionsausmass kann zumeist jedoch sparsamer erfolgen. In der Regel wird auch diese Wunde offen belassen, Alternativen wären Saugverbände und/oder ein Verschiebelappen (z.B, Z-Plastik, Karydakis Lappen, etc.) als Folgeeingriffe.

Sämtliche Therapieoptionen müssen individuell mit Ihnen festgelegt und an den bestehenden Befund angepasst werden

Therapie des Rektumprolaps

Ein Vorfall des Mastdarms ist zumeist keine Akutsituation, jedoch sehr störend für den Patienten und sollte daher individuell abgeklärt werden. Wichtig ist die Unterscheidung zum Analprolaps. Im Vordergrund stehen die Anamnese und Befunderhebung. Ergänzend kann eine Röntgenuntersuchung (Defäkographie) und / oder Manometrie zur Funktionseinschätzung des Schließmuskels sinnvoll sein. Ob eine erweiterte Diagnostik des Beckenbodens sinnvoll ist, muss im Einzelfall entschieden werden.

Therapeutisch stehen lokale Operationsverfahren über den After, sowie eine sog. Rektopexie (Fixation des Mastdarmes) mit oder ohne Entfernung des Schleifendarmes (Resektionsrektopexie, siehe Sigmaresektion) und mit oder ohne Netzplastik zur Verfügung. In unserer Klinik werden diese Operationen routinemäßig minimal-invasiv und laparoskopisch angeboten.