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Therapie von Erkrankungen des Gefäßsystems

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Therapie von Erkrankungen des Gefäßsystems

Unser universitäres interdisziplinäres Therapiekonzept zur Behandlung von Erkrankungen des Gefäßsystems umfasst alle international etablierten Behandlungsverfahren auf Basis der aktuell geltenden Therapiestandards und Behandlungsleitlinien.
Grundsätzlich unterscheiden wir bei den invasiven Therapieverfahren die offen chirurgischen Verfahren (z.B. Bypassanlage) von den interventionellen Verfahren (z.B. Stentimplantation). 

Schaufensterkrankheit - periphere arterieller Verschlusserkrankung (pAVK)

Dieses sehr häufige Krankheitsbild kann zu massiven Einschränkungen der Lebensqualität führen.  Es gibt 4 verschiedene Stadien,  nach denen die Behandlung ausgerichtet wird:

Stadium 1: bekannte Gefäßverschlüsse ohne Beschwerden
Stadium 2: Schmerzen beim Gehen
Stadium 3: Schmerzen in Ruhe
Stadium 4: Veränderungen am Gewebe (Nekrosen)

In unserer gefäßmedizinischen Abteilung werden alle Stadien behandelt. Im Stadium 1 und häufig auch im Stadium 2 ist eine ausschließliche medikamentöse und physiotherapeutische Therapie das Mittel der Wahl. Zudem sollten die vorhandenen Risikofaktoren (Nikotinkonsum, Diabetes usw.) optimal ausgeschaltet bzw.  behandelt werden. Hierzu gibt es innerhalb der Charité zahlreiche Angebote (Nikotinentwöhung; Gefäßsportgruppe) und natürlich führende Experten im Bereich der Stoffwechselmedizin.

Im Stadium 3 und 4 sind dagegen zusätzlich häufig invasive Maßnahmen erforderlich. Neben einer genauen körperlichen Untersuchung dient der Gefäßultraschall zur exakten Definierung der ursächlichen Gefäßveränderungen. Hiernach kann bereits häufig das ideale Therapieverfahren zur Verbesserung der Durchblutung bestimmt werden.
Bei fraglichen Fällen kann durch zusätzliche Untersuchungen (CT, MRT, Angiografie) durch die Hochleistungsgeräte der Charité eine weitere Klärung herbeigeführt werden.
Nach Festlegung des Therapieverfahrens erfolgt eine stationäre Aufnahme zur Verbesserung der Durchblutung entweder durch eine Stenttherapie oder durch eine chirurgisch operative Versorgung.

Bei fortgeschrittenem Stadium 4 und Gewebeuntergang (Gangrän) erfolgt durch eine enge Kooperation mit den Bereichen Orthopädie und plastische Chirurgie eine möglichst funktionell erhaltende Therapie. Hierbei ist neben der operativen Therapie die unmittelbar folgende krankengymnastische Beübung von entscheidender Bedeutung.  Eine frühzeitige Planung der prothethischen Versorgung erfolgt noch während des stationären Aufenthaltes.

Aneurysma

Ein Aneurysma bedeutet eine Aussackung eines Gefäßes und kann an jeder Stelle des Körpers auftreten. Häufig tritt es jedoch an der Aorta (z.B. Bauchaortenaneurysma) auf. Abhängig von der Lokalisation und Größe des Aneurysmas besteht eine Behandlungsnotwendigkeit. Bei kleineren Aneurysmata ist eine engmaschige Verlaufskontrolle und ausführliche Beratung erforderlich.

Wenn eine Behandlungsnotwendigkeit besteht, kann entweder eine minimalinvasive Therapie durch Einsetzen eines ummantelten Stents oder eine chirurgische Entfernung des Aneurysmas erfolgen. Grundsätzlich ist die minimalinvasive Technik in unserer Klinik das Mittel der Wahl. An der Charité werden eine große Anzahl verschiedenster ummantelter Stents vor Ort bereitgehalten, so dass auch in Notfallsituationen eine Stenttherapie ermöglicht werden kann.

Dialyseshunts

Die Abteilung für Gefäßchirurgie ist Mitglied des Shuntzentrums der Charité. Patienten, die sich aufgrund eines Nierenversagens regelmäßig einer Blutwäsche (Hämodialyse) unterziehen müssen, benötigen hierfür einen dauerhaften Gefäßzugang, den sogenannten Shunt. Ein Shunt beschreibt eine Kurzschlußverbindung zwischen einer Vene und einer Arterie. Die Indikationsstellung und Festlegung des optimalen Zeitpunkts für eine Shuntanlage erfolgt durch den behandelnden Nephrologen. Im Rahmen einer wöchentlich stattfindenden Shuntkonferenz (Chirurgie/Nephrologie) wird die bevorzugte Shuntvariante festgelegt. Es erfolgt im Vorfeld eine sogenanntes Venen-Mapping. Hier werden alle in Frage kommenden Venen für die Eignung zur Shuntanlage genauestens mittels Ultraschall vermessen.
Sollte in Ausnahmefällen keine geeignete Vene für eine Shuntanlage vorhanden sein,  kann alternativ eine Kunststoffprothese implantiert werden. Sollte auch dies nicht möglich sein besteht alternativ die Möglichkeit zur Implantation eines Dialysekatheters.

Chirurgie der hirnversorgenden Gefäße

Durch zahlreiche internationale multizentrische Studien ist heute die Indikationsstellung zur Operation an den hirnversorgenden Gefäßen vereinheitlicht worden. Zur Entscheidung, ob eine Operation sinnvoll und notwendig ist, muss zum einen die Beschwerdesymptomatik des Patienten, zum anderen aber auch das Ausmaß der Verengung berücksichtigt werden. Unter der Voraussetzung einer niedrigen Komplikationsrate von weniger als 3%, wie sie auch an unserer Klinik gegeben ist, sollten Patienten mit einer symptomatischen Verengung der hirnversorgenden Halsschlagader (Arteria carotis interna) operiert werden
Bei einem Zufallsbefund einer Carotisstenose (sog. asymptomatische Stenose) sind noch weitere Faktoren im Vorfeld einer Operation zu berücksichtigen (Patientenalter, Geschlecht, bereits erfolgte medikamentöse Therapie). Entsprechend werden bei fraglicher Indikationsstellung alle Patienten im Rahmen eines alle 2 Wochen stattfindenden Neurovaskulären Boards gemeinsam mit den Fachabteilungen Neurologie und Neurochirurgie besprochen und ein Behandlungskonzept vorgeschlagen.

Ziel der operativen Behandlung ist die Vermeidung eines Schlaganfalls. Bei Patienten, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben, ist das Ziel der Operation die Verhinderung eines weiteren Schlaganfalls. Ziel der Behandlung von Verengungen der hirnversorgenden Arterien ist die Minderung der Beschwerden. Patienten ohne Beschwerden müssen daher nicht operiert werden. Bei Beschwerden ist die Notwendigkeit einer Operation im Einzelfall zu klären

Venenchirurgie

Zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen am Venensystem gehört die sogenannte Krampfaderoperation.  Hierbei werden nach erfolgter Ultraschalluntersuchung stadiengerecht die veränderten Venensegmente mittels Stripping-Operation entfernt. Dies erfolgt entweder in lokaler oder Allgemeinanästhesie.

Venenthrombosen werden heute im Allgemeinen konservativ mit Hilfe einer effektiven Blutverdünnung (z.B. Heparin oder Marcumar) in Kombination mit einer Kompressionsbehandlung (angepasste Kompressionsstrümpfe) behandelt. Eine operative Therapie ist nur in sehr schweren Ausnahmefällen indiziert und sollte gegenüber möglicher Komplikationen individuell abgewogen werden.

Septische Gefäßchirurgie

Unsere Klinik verfügt über eine eigene Gewebebank und hat die Möglichkeit Gefäßtransplantationen durchzuführen. Dies ist vor allem bei infizierten Gefäßprothesen eine Therapieoption. Dadurch besteht eine hohe Expertise im Bereich der septischen Gefäßchirurgie. Gerne stehen wir hierbei auch für Zweitmeinungen zur Verfügung und beraten Patienten und Kliniken.

Gefäßchirurgische Notfälle

Durch einen 24h gefäßchirurgischen und radiologischen Bereitschaftsdienst ist die Behandlung gefäßchirurgischer Notfälle stets gewährleistet. Hierzu zählen u.a. akute Arterienveschlüsse, Shuntverschlüsse und symptomatische sowie rupturierte Aneurysmata.

Auch in Notfallsituationen stehen alle minimalinvasiven Techniken zur Verfügung und werden in unserer Klinik wenn möglich auch angewandt.