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Narbenhernie

Narbenhernien gehören zu den häufigsten Operationsindikationen und werden in etwa 20% nach Laparotomien bereits innerhalb des ersten Jahres beobachtet. Aber auch noch später popstoperativ können Narbenhernien auftreten.

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Narbenhernie

Die Narbenhernie stellt die häufigste chirurgische Langzeitkomplikation dar. Pro Jahr werden in Deutschland ca. 40.000 Patienten an einer Narbenhernie operiert. Die Entstehung einer Narbenhernie ist multifaktoriell. In zahlreichen Studien konnten Risikofaktoren identifiziert werden, die das Auftreten von Narbenhernien begünstigen. Zu den präoperativen Risikofaktoren gehören das Lebensalter > 45 Jahre, männliches Geschlecht, Malignome, Adipositas, Nikotinabusus, Anämie mit Werten <10g/dl, Eiweißmangel, Vitamin-C-Mangel, Leberzirrhose, dialysepflichtige Niereninsuffizienz, Immunsuppression, erhöhter intraabdomineller Druck und das Vorhandensein eines Aortenaneurysmas.
Neuere Forschungen zeigten, dass eine gestörte Kollagensynthese die Bildung einer stabilen Narbe verhindert. Intraoperative Risikofaktoren beziehen sich v.a. auf die Technik des Bauchdeckenverschlusses. Postoperative Faktoren, die die Entstehung von Narbenhernien begünstigen sind Wundinfektionen und Komplikationen in der frühpostoperativen Phase, die zu einer intraabdominellen Druckerhöhung führen, wie z.B. Pneumonie, Bronchitis, Erbrechen, prolongongierte Magen-Darm-Atonie.

Die generelle Indikation zur operativen Therapie beim Auftreten einer Narbenhernie wird derzeit diskutiert und kritisch untersucht. Auch unsere Klinik nimmt an einer großen Multicenter Studie teil, bei der wenig oder asymptomatische Patienten mit einem Narbenbruch entweder operiert oder sorgsam im Verlauf beobachtet werden, um das Risiko des einen oder anderen Verfahrens abschätzen zu können. Bei symptomatischen Narbenhernien ist die Operation jedoch immer die Therapie der Wahl.

Therapie der Narbenhernie

Prinzipielles Therapiekonzept bei der Chirurgie der Narbenhernie ist die Verstärkung der Bauchdeckenfaszien mit einem Kunstoffnetz. Damit wird dem Verständnis, dass es sich bei der Narbenhernie um ein pathophysiologisches Problem handelt Rechnung getragen. Aus der wissenschaftliche Literatur ist bekannt, dass der alleinige Bauchdeckenverschluss ohne Netzverstärkung zu einer Rezidivrate von bis zu 60% führt. Durch die Verwendung von Kunstoffnetzen konnte die Rezidivrate auf unter 10% gesenkt werden. Für die operative Therapie der Narbenhernien stehen zahlreiche Verfahren zur Verfügung, die differenziert und individuell (maßgeschneidert) dem Patienten und dem Ausmaß des Narbenbruchs zur Anwendung kommen.

Therapieverfahren im Detail:

Retromuskuläre Sublay Technik

Generell wird angestrebt, die gesamte Narbe mit einer Netzplastik zu unterfüttern. Nach Präparation und Darstellung der Bruchpforte erfolgt bei Narbenhernien in der Medianebene die Präparation des Netzlagers retromuskulär zwischen dem M. rectus abdominis und der hinteren Rektusscheide. Im Extremfall erfolgt die Präparation von der Symphyse bis unterhalb Xyphoids. Das Polypropylennetz wird dann nach Verschluss der hinteren Rektusscheide bzw. des Bauchfells retromuskulär befestigt. Darüber erfolgt dann der Verschluss des vorderen Rektusscheidenblattes.

Dorsale Komponentenspeparation (nach Rosen/Novitzky)

Bei sehr großen Narbenbrüchen kann es notwendig sein, die Präparation über die Rektusscheide hinaus auszudehnen, um den Herniendefekt zu verkleinern bzw. verschließen zu können. Hierbei wird dann zwischen Muskulus transversus abdominis und Bauchfell präpariert und ein entsprechend großes Netz eingesetzt. Dieses Operationsverfahren wird nur in spezialisierten Zentren angeboten. Wir führen es seit einigen Jahren erfolgreich durch. Im Gegensatz zur vorderen Komponentenseparation ist diese Technik wesentlich gewebeschonender und damit komplikationsärmer.

Laparoskopische Narbenhernien Reparation (IPOM = intraperitoneales Onlay Mesh)

Vorteil der laparoskopischen Narbenhernien Reparation ist das geringere Gewebetrauma, da die Haut über dem Narbenbruch ebensowenig wie der Bauchraum eröffnet werden. Die Operation erfolgt vielmehr über mehrere kleine (0,5 - 1,2 cm) Schnitte oder alternativ sogar über einen einzigen (Single Port) Schnitt abseits des Narbenbruchs. Das taktische Prinzip ist die spannungsfreie Bauchdeckenverstärkung von innen. Wichtig ist, dass die zur Verwendung kommenden Netze aus einem speziellen Material angefertigt sind, das Verklebungen zwischen dem Netz und den Eingeweiden (Darm) verhindert. Insbesondere lassen sich kleine bis mittelgroße Hernien (Durchmesser der Bruchpforte bis ca. 15 cm) gut mit dieser Technik versorgen.
Bei größeren Narbenbrüchen entsteht oftmals im Verlauf ein kosmetisches Problem, da sich das Netz trotz guter Fixation vorwölben kann (sog. Bulging) und somit ein Hernienrezidiv vortäuscht. Ein Vorteil der minimal invasiven Methode ist die deutlich geringere Rate an postoperativen Wundheilungsstörungen.

Wir besprechen alle Therapieverfahren mit dem Patienten und werden eine maßgeschneiderte Therapieoption anbieten.